Viele unserer heutigen Verhaltensmuster, Lösungsansätze, und Wertvorstellungen sind geprägt von Botschaften früherer Generationen, ohne dass wir dies wahrnehmen oder gar wollen.
Bei der Familienrekonstruktion machen wir eine Reise in die Vergangenheit, haben Gelegenheit uns mit den Personen, die unsere Vorfahren waren bis in die dritte Generation spielerisch zurück zu versetzen und an sie näher heran zu rücken, um sie und ihre Lebensumstände zu verstehen.
Wir erleben, aus welchem sozialen, kirchlichen und politischen Kontext unsere Muster und Verhaltensweisen entstanden sind; Kriege, Vertreibung, frühere Moralvorstellungen, enge Rollenmuster und Rassenausgrenzug haben unsere Großeltern und Urgroßeltern geprägt, und damit auch das, was sie uns als „Wahrheiten“ und ethischer Gesinnung mitgegeben haben.
Obwohl Teil eines Familiensystems, will doch jeder Mensch als Individuum gesehen und in seinem Wachstum unterstützt werden. Oft ist dies jedoch nicht der Fall, weil starre Rollenverpflichtungen, Abhängigkeiten und ungesunde Beziehungsverstrickungen das System aufrecht erhalten, das sich letztendlich zerstörerisch auf Wohl und Gesundheit einer Person oder einer Familie auswirkt.
In der Familienrekonstruktion können uns von alten Glaubenssätzen und Prinzipen verabschieden, die nicht mehr in unseren Lebenskontext passen. Wir werden Wertungen und Bilder, die wir von unseren Vorfahren hatten, gerade rücken.
Wir werden erkennen, welche Ressource unsere Familie ist und wir werden erfahren, dass es eine Reihe von starken Männern und Frauen in unserer Familiengeschichte gibt, die mit ihrem Vorbild uns für unsere Zukunft den Rücken stärken.
In der Gruppe können nun stellvertretende Rollenspieler Sequenzen lebendiger Bilder der Familiegeschichte wiedererstehen lassen.
Störungen, Schmerz, Ängste, Aggressionen und unheilvolle Koalitionen aber auch Freude, Liebe, Überlebensfähigkeit und heilvolle Verbindungen unserer Vorfahren in ihrer jeweiligen Situation werden sichtbar.
Die Statisten geben Gefühlsäußerungen und Familien - entsprechende Aussagen von sich, die meist erstaunlich treffend die tatsächliche persönliche und geschichtliche Situation wiedergeben.
Schrittweise wird dann aus den alten Bildern ein neues, heilsames Konzept entwickelt, in dem sich alle geborgen, kraftvoll und frei fühlen können.
Die Loslösung von unheilvollen Systemen und die Versöhnung mit der Vergangenheit öffnen dann neue Türen für kreative Entwicklungen und Neuorientierungen im Leben des Einzelnen.
Virginia Satir: „In der FRK sollen aus Monstern, Helden, aus Madonnen und Engeln und aus Teufeln unseres Familienstammbaums wieder Menschen werden, die eine menschliche Geschichte haben.”
Was erwartet mich bei der Familienrekonstruktion?